Seelsorgeeinheit "Am Limes"


Iggingen

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Kirche Iggingen

aussen 

 

Kirche Iggingen

innen 

 

Kirche Iggingen

Kreuz

 

Martinusheim

Iggingen

  Schiff mit Westempore
 Weigle-Kreisz-Orgel



Urpfarrei Iggingen

Mit guten Gründen können wir annehmen, dass Iggingen Sitz eines Hundertschaftsführers war. Dieser könnte dann vielleicht schon im 7. Jahrhundert auf seinem Hofplatz in Iggingen eine Kirche gestiftet haben. Diese Urkirche war als Eigenkirche ebenso wie der Prie­ster Eigentum des Stifters, der als Besitzer dieses Heilsortes seinen Einfluss auf die Bevölkerung vermehren konnte.

Die ersten Kirchen waren aus Holz gebaut, wurden aber bald durch einfache Steinbauten ersetzt. Der Bezirk einer Hundertschaft, zu dem ja eine ganze Reihe von Orten und Höfen gehörte, war eine Urpfarrei. Weil aber diese Urpfarrei später für die Seelsorge zu groß war, wurden in den umliegenden Orten Kapellen errichtet, die vom Ort der Mutterkirche aus von einem Kaplan (Kapellan) versorgt wurden. Auch wenn sich diese Kaplaneien schon zu Pfarreien entwickelt hatten, besaß die Mutterkirche oft noch einige Vorrechte.

 

Die Vorgängerin der heutigen Kirche

Die wieder aufgebaute Kirche dürfte sich nur wenig von der alten Kirche unterschieden haben. Nur gotische oder gar romanische Fenster und Türen konnte oder wollte man damals nicht mehr einbauen; das war damals in der Mitte des 17. Jahrhunderts doch zu altertümlich. Bis zu ihrem Abbruch im Jahre 1854 bot sich die Kirche im Wesentlichen wie seit vielen Jahrhunderten dem Betrachter dar. Der Kirchhof war von einer stattlichen, zum Teil durch Stützpfeiler verstärkten Mauer mit Schießscharten umgeben und verlieh der ganzen Anlage den Charakter einer Wehrkirche (eine Art Burg). Wenn auch die Zeichnung von der alten Kirche in einigen Details (z. B. Anordnung und Form von Fenstern und Türen) nicht stimmen kann, so gibt sie doch eine gute Vorstellung davon, wie auch schon im Mittelalter Kirche und Kirchhof angelegt waren.

 

Der Bau unserer heutigen Martinskirche (1859)

Für mehrere Kirchen in unserer Gegend (Mutlangen, Zimmerbach, Spraitbach und Iggingen) stammt der Entwurf von Baurat Wepfer. Der Kirchenbau im Kameralamtstil kann sich aber bei weitem nicht mit den früheren Baustilen (Romanik, Gotik, Barock) messen, sowohl was die Gestaltung, als auch die Solidität des Baues betrifft. Dafür bietet die heutige Martinskirche ein anschauliches Beispiel. Viele aufwendige Reparaturen, die durchgeführt werden mussten, hatten ihre Ursache in statischen und architektonischen Mängeln, aber auch an mangelnder Qualität der Bausteine und schlechter Fundamentierung. Der alte Wagner Josef Steeb, der den Bau der Kirche noch erlebt hatte, erzählte, dass schadhafte Bausteine aussortiert und in die Fundamente eingebaut wurden. Man kann sicher nicht alle Mängel dem Baurat Wepfer anlasten, denn das staatliche Kameralamt suchte so viel Geld wie möglich einzusparen.

1859 war die neue Martinskirche fertig und 1861 wurde sie von Bischof Lipp geweiht. Doch schon um 1890 hatte man große Sorgen, weil die Fundamente an Turm und Schiff nachgaben.

 

Modernisierung (1939/40)

Unter Pfarrer Frick wurde in den Jahren 1939/40 der Innenraum grundlegend renoviert und modernisiert. Die Ausmalung wurde ganz entfernt und die Altäre und die ganze übrige Ausstattung verschwanden. Obwohl Pfarrer Frick recht beliebt in Iggingen war, reagierten sehr viele Igginger bitter auf diese Änderung, die als „Kahlschlag" empfunden wurde. Sogar heute noch haben einige diesen Eingriff nicht überwunden. Zunächst sollte die Werkstatt des Hans Kaiser (Sohn von Johannes) die figürliche Ausgestaltung der Kirche übernehmen. Pfarrer Frick konnte sich aber mit ihm nicht einigen und ließ die Kirche dann von Emil Sutor aus Karlsruhe ausgestalten. Weil es an Zeit und Geld mangelte, wurden die Kreuzigungsgruppe sowie Maria und Josef einfach als Gipsabgüsse hergestellt. Die strengen, klaren und ruhigen Gestalten passen jedoch nicht schlecht in unsere Kirche. Der eindrucksvolle, in die Wand eingelassene Kreuzweg stammt ebenfalls von Emil Sutor. Die Darstellung des Leidensweges Jesu ist ganz auf das Wesentliche beschränkt und lädt ein zur Meditation und zum betrachtenden Gebet. Er ist eine wirkliche Bereicherung der Martinskirche. Gott sei Dank, dass wenigstens die alten Figuren der heiligen Ottilia, des heiligen Augustinus und der Gottesmutter mit dem Leichnam Jesu auf dem Schoß nicht verschwunden sind. Einen angemessenen Platz haben sie allerdings in der Kirche nicht mehr gefunden.


Die Martinskirche erhält eine Darstellung ihres Kirchenheiligen.Viele Jahre gab es in der Kirche kein Bildnis des Kirchenheiligen Martin. Im Jahr 1961 schuf der bekannte Holzbildhauer Martin Kaiser aus Iggingen ein eindrucksvolles Schnitzwerk aus Lindenholz. In etwa lebensgroßen Figuren stellte der Künstler dar, wie der heilige Martinus gerade seinen Mantel mit dem Bettler teilt. Rechtzeitig zum Martinusfest 1961 wurde das Werk fertig und fand vorne im Kirchenschiff einen Ehrenplatz.


Die Weigle-Kreisz-Orgel 36/III+P (2013)

Die Weigle-Kreisz-Orgel ersetzt ab dem Jahr 2013 die mittlerweile sehr reparaturanfällig gewordene Vorgängerorgel der Fa. Späth aus dem Jahre 1956. Den großen Grundstock der neuen Igginger Orgel bildet ein Gebrauchtinstrument der Fa. Weigle Orgelbau (Echterdingen). Die Orgel wurde ursprünglich 1973 in der ev. Hochschule für Kirchenmusik in Heidelberg (HfK) als zweimanualiges Instrument eingebaut. 1981 erfolgte durch das Hinzufügen eines Positiv-Werkes eine Erweiterung auf drei Manuale mit insgesamt 34 Registern. Hierdurch bedingt wurde eine neue Spieltischanlage gebaut. Der Umbau in die Kirche St. Martinus Iggingen wurde von der Fa. Orgelbau Michael Kreisz aus Schwäbisch Gmünd geplant und 2013 unter Einbeziehung vieler Igginger Ehrenamtlicher und mit Unterstützung des Vereines „musica sacra e.V.“ umgesetzt. Die Spieltischanlage wurde wiederum überholt und mit der neuesten Technik und Elektronik ausgestattet. Vor allem aber hat Orgelbaumeister Kreisz einen neuen Prospekt (Front-Ansicht) für die Orgel geschaffen, der sich architektonisch ideal in den Igginger Raum einfügt. Hierzu wurde die Orgel auf 36 klingende Register erweitert. Sie verfügt nun heute über 3 Manuale und Pedal, elektrische Spiel- und Registertraktur, eine Setzeranlage der Fa. Laukhuff (SK 60) und eine elektrische Koppelanlage inklusive Pistons. Die künstlerische Gestaltung des Gehäuses lag in den Händen der Igginger Künstlerin Marlis Ulrich. Sie hat Farben, Form und Architektur des Raumes und der Kirchenfenster in ihren Entwurf aufgenommen; das „goldene Band“ und die Spannweite der Musik zeichnen sich auf der Frontseite des Gehäuses nieder. Die Weihe der Orgel erfolgte am Gaudete-Sonntag, 15.12.2013 durch Pfarrer Johannes Waldenmaier und Pfarrer Michael Holl. 2178 Pfeifen erklingen nun zu Lob und Ehre Gottes!

Nach zahlreichen Konzerten erfolgte eine CD-Einspielung an der Weigle-Kreisz-Orgel mit Prof. Carsten Klomp (Heidelberg) und Rudolf Mahni (1. Solotrompeter Philharmonisches Orchester Freiburg) im Mai 2017.

 

Hauptwerk - Manual 1:

Prinzipal 8’ (2013 / Prospekt)

Voce humana 8’ (2013)

Gedackt 8’

Weidenpfeife 8’

Oktave 4’

Blockflöte 4’

Quinte 2 2/3’

Superoktave 2’

Sifflöte 1’

Mixtur 4fach 1 1/3’

Trompete 8’


Positiv – Manual 2:

Holzgedackt 8’

Rohrflöte 4’

Kleinprinzipal 2’

Quarte 1 1/3’ + 1’

Holzregal 8’

Tremulant


Schwellwerk – Manual 3:

Quintade 16’

Prinzipal 8’

Rohrgedeckt 8’

Dulciana 8’

Oktave 4’

Flöte 4’

Nasat 2 2/3’

Waldflöte 2’

Terz 1 3/5’

Zimbel 3fach 1/2’

Oboe 8’

Tremulant



Pedal:

Prinzipal 16’

Subbass 16’

Oktavbass 8’ (2013 / Prospekt)

Gemshorn 8’

Choralbass 4’

Oktave 2’

Hintersatz 3fach 2 2/3’

Posaune 16’

Fagott 8’


Spielhilfen:

Koppeln I/I sub (2013),

II/I, III/I, III/II, I/P, II/P, III/P,

Walze, Pistons, Setzeranlage


 
  



Gründung Brainkofens

Im 6. und 7. Jahrhundert, als das alamannische Altsiedelland schon vergeben war, wurden wegen der Bevölkerungszunahme weitere Gebiete besiedelt.

In der Umgebung von Iggingen waren das Herlikofen, Hussenhofen, Airlighofen und Brainkofen. Es ist durchaus denkbar, dass die Siedler in Brainkofen aus Iggingen stamm­ten.

 

Die Ulrichskapelle

Die Jahreszahl 1731 über dem Eingang verweist auf einen Umbau, bei dem das jetzige Schiff an den älteren Chor angebaut wurde. Das Alter des Chores aber ist kaum zu bestimmen, weil einerseits schriftliche Überlieferungen dazu fehlen und anderseits eindeutige stilistische Merkmale nicht erkennbar sind. Am ehesten kommt das 17. Jahrhundert als Bauzeit in Frage.

Die Kapelle ist dem heiligen Ulrich (924-973) geweiht. Er war Bischof von Augsburg und später wurde er zum Schutzpatron des Bistums Augsburg erhoben. Im 18. Jahrhundert hatte die Kapelle eine kleine Ulrichs-Reliquie erhalten, von deren Verbleib nichts mehr bekannt ist.

Das Patronatsrecht über die Kapelle hatte das Kloster Gotteszell. Bau und Unterhaltung scheint aber Sache der Bewohner von Brainkofen gewesen zu sein. Darauf deutet auch, dass heute für die bauliche Unterhaltung die Gemeinde Iggingen zuständig ist.

Maria mit dem Leichnam Jesu ist die wichtigste Darstellung, die von der alten Ausgestaltung der Kapelle übriggeblieben ist. „Die Reste des früheren Altars mit der Figur des heiligen Ulrich wurden verschleudert", heißt es in Kultur und Geschichte im Gmünder Raum von W. Bächle. Tatsächlich hat die Modernisierung der Kapelle einen Schaden an dem Gotteshaus und Kunstwerk angerichtet, der nicht wieder gut zu machen ist. Was mit so viel Eifer, gutem Willen, Spenden und Arbeitseinsatz begonnen und durchgeführt wurde, führte zu dem schmerzvollen Verlust, weil die herangezogenen „Kunstsachverständigen" eben doch nicht kompetent waren.

Der alte Holzaltar stammte wahrscheinlich aus einer früheren Ausstattung der Igginger Kirche. Albert Dangel beschreibt ihn folgendermaßen: Der Aufbau über dem Altartisch ist in drei Nischen unterteilt, von denen die mittlere durch zwei Rundsäulen unterstützt wird. Die oberen Enden der Säulenschäfte sind durch vergoldete Schnitzereien verziert. Die mittlere Nische nimmt die Figur des Kirchenpatrons (Ulrich) auf, der mit lebhaften Farben bemalt und an seinen Abzeichen, Fisch und Buch, leicht erkennbar ist. Der Heilige bildet das Kernstück der Altargruppe und stellt eine gut handwerkliche Arbeit dar. Die beiden äußeren Nischen enthalten die gemalten Schnitzwerke der Apostelfürsten Petrus und Paulus. Das Altarkreuz gehört der barocken Zeitepoche an und ist mit Einfühlung sauber ausgearbeitet." (soweit A. Dangel) Heute befindet sich im Chor ein Beton - Altarblock.


Die Besiedlung Schönhardts

Als sich in dem Zeitraum von 800 bis 1000 n. Chr. hier im schönen Wald die ersten Siedler ihren Hof oder ihre Höfe errichteten, blieb der Name Schönhardt erhalten und wurde zum Namen einer Siedlung. Wahrscheinlich wurde der Ort von Iggingen aus besiedelt.

Die erste urkundliche Erwähnung

Im Jahre 1278 wurde eine Urkunde ausgestellt, als Alwich der Lange seinen Hof in Schönhardt dem Kloster Gotteszell und einem anderen Kloster vermachte.  Im Jahr 1278 war der Weiler Schönhardt schon viele hundert Jahre alt. Aber das genaue Datum der Entstehung weiß man nicht.

Der große Brand 1578

Unvergessen blieb bis heute die Katastrophe von 1578, bei der fast der ganze Weiler mit den Erntevorräten und dem Vieh einem verheerenden Brand zum Opfer fielen.

Die Viehseuche im Jahr 1779 und der Viehfeiertag

Ebenso in Erinnerung blieb auch die furchtbare Viehseuche, die Schönhardt im Jahre 1779 heimsuchte. Die Bauern fürchteten diese Tierkrankheiten, die oft den ganzen Viehbestand bedrohten. Als damals in Schönhardt die Seuche wütete, nahmen die Leute Zuflucht im Gebet zum heiligen Wendelin, dem Patron des Viehs und gelobten, ihn zum Patron ihrer Kapelle zu machen und jährlich einen Viehfeiertag zu halten. Offensichtlich wurde das Flehen der Schönhardter erhört, denn seither feiern sie an einem Werktag nach Jakobi (25. 7.) den Viehfeiertag. An diesem Tag sollen sich Tier und Mensch nicht plagen, sondern feiern. Auch Wendelin ist seit dieser Zeit der Patron der Schönhardter Kapelle.